Sonntag, 28. September 2014

"Wir sind heute hier, um nach vorne zu gehen."

Wir treffen uns im Bahnhof. Und dann sehen wir uns an und bleiben stehen, und fragen uns, ob wir zu viel getrunken haben, zu viel gekokst oder ob wir uns wirklich kennen.
"Eigentlich wollte ich das nie sagen, aber der Spruch is geil: ey, kennen wir uns nicht von früher?", höre ich mich sagen.
Und dann sehen wir uns an und müssen lachen, so laut und so tief, so herzlich und so ehrlich, dass wir fast auf dem Boden des Bahnhofs liegen, wo schon tausende Menschen gekotzt und gepisst haben.
"Und Baby, ich dachte gerade nur 'was ne heiße Braut!’", höre ich, halte einen Moment die Luft an und muss dann wieder lachen. "Aber du musst mir deinen Namen noch einmal sagen, ich kann dich ja nicht immer Baby nennen, Baby."


Und dann unterhalten wir uns über die gute alte Zeit und das, was davon noch übrig ist und stellen fest, dass dieses neue Leben, diese Gegenwart, so viel geiler ist, als die Zeit, in der wir koksten, zu viel tranken und den Boden dieses Bahnhofs vollkotzten.
Denn jetzt, in diesem neuen Leben, haben wir die Freiheit das zu sagen, was wir wollen und das zu tun, was wir wollen. Wir nehmen uns die Freiheit. Unsere Ansichten haben sich geändert und so auch unsere Wertevorstellungen. Nicht die anderer, sondern unsere eigenen. Wir sind uns jetzt mehr wert.
Irgendwann gehen wir auseinander, weil wir unser Leben wieder brauchen.
Wir sind heute hier, um nach vorne zu gehen. Wir gehen auseinander und blicken uns dann noch einmal hinterher.
Dieses früher, diese gute alte Zeit, von der wir nie dachten, sie könnte jemals übertroffen werden, kommt nicht an das heran, was wir grade haben.

Jetzt sind wir erfüllt von Träumen und Wünschen, vielleicht auch von Illusionen. Aber diese Zukunft, die vor uns liegt, ist golden.

Dienstag, 22. Juli 2014

Denn im Leben muss man auch mal Marshmalloweis essen

Wenn es still ist, spuken meine Gedanken umher, meine Beine zucken – ich springe durch die Gegend. Ich bin nicht still. Sommer und Stille – das passt in meinem Kopf, in meinem Herzen, nicht zusammen. Leben und Stille – ein Widerspruch. Leben mit Ausrufezeichen.

Vielleicht ist man in seinem Leben irgendwann an dem Punkt, an dem die Fremde mehr die eigene Heimat ist, die Ferne mehr sein Zuhause ist, als es der eigentliche Wohnort ist.

Vielleicht geschieht das dann, wenn man einen neuen Weg geht, wenn man anfängt, auszubrechen, seine Meinung zu äußern, wenn man die Welt erobert.
Vielleicht geschieht das dann, wenn man mehr erwartet vom Leben, als das, was man selber vorgesehen hat und was andere vorgesehen haben.
Wenn man atmet und glücklich ist. Wenn man über Erwartungen hinauswächst.

Und ist nicht Leben mehr, als immer nur in das gleiche Restaurant zu gehen und immer nur das gleiche zu essen? Sollten wir nicht auch mal Flusskrebse essen?

Wenn ihr mich fragt, dann sollten wir öfters im Sommergewitter tanzen, öfters Sand unter den Fingernägeln haben, dann sollten wir öfters blaue Flecken vom Feiern haben.
Denn im Leben muss man auch mal Marshmalloweis essen. Nicht immer nur Himbeereis. Man muss wagen, einmal alles hinter sich zu lassen.


Ich glaube, wir sollten immer mehr erwarten. Handgeschriebene Briefe, eine Flaschenpost, Sonne und Überraschungen. Und wir sollten Dinge riskieren. Und uns verlieben. Immer wieder. In unser Leben.

Dienstag, 13. Mai 2014

Neulich...

Neulich lernte ich auf ’ner Party einen Typen kennen. Der konnte super flirten. Irgendwann begriff ich, dass er Franzose war (ihr wisst ja… hier), und dachte kurzzeitig darüber nach, dass er vielleicht deswegen so charmant war. 
Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass nicht nur ich fand, dass er gut flirten kann. Und wohl auch nicht nur ich war seinem Charme verfallen. Verständlicherweise, wie ich zugeben muss. 
Denn nachdem ich erfuhr, dass er in einigen Wochen seine Freundin in Neuseeland besuchen würde, trank ich keinen Moët  mehr, sondern stieg auf Pinot Grigio um. 
Als Zeichen. Für mich. Und ihn. 

Aber mit Zeichen ist das ja so eine Sache. Die sind ja prinzipiell eher subjektiv. Wenn ich denke, ich zeige jemandem, wie ich eine Sache sehe, kann ich sicher sein, dass mein Gegenüber das garantiert falsch versteht.
Irgendwie träume ich aber immer noch davon, dass jemand eines Tages meine Zeichen richtig deutet. Aber vielleicht sollte ich in meinem Bett träumen, während ich schlafe, und nicht auf einer Party, mit einem Glas Champagner in der Hand und einem Franzosen mir gegenüber und Electro-Pop im Hintergrund.
Mit Träumen ist das auch ähnlich wie mit Zeichen. Ich lerne viele Leute kennen, die etwas erreichen wollen. Die erzählen mir dann, mit einem Astra in der einen und ’ner Kippe in der anderen Hand, dass sie davon träumen, einfach mal für ein halbes Jahr wegzufahren oder sich selbstständig zu machen. Zwei Sätze später stellt sich dann heraus, dass sie 8 Stunden im Büro arbeiten. Doch „eigentlich“ sind sie definitiv nicht dafür geschaffen. Solche Menschen finde ich faszinierend. Die reden sich den ganzen Tag ein, dass sie jemand anderes wären. Aber warum leben sie ihr anders sein dann nicht aus?
Ich bin ja naiv. Da darf ich dann auch so eine Frage mal laut stellen (ja, ich gebe zu, sie kommt meistens nicht so gut an, aber irgendjemand muss ja auch mal Klartext reden). Und ich bin ja noch jung und darf doch daran glauben, dass meine Träume mit der Realität zusammenpassen könnten, selbst, wenn ich meine Augen offen lasse, oder? Vielleicht sehe ich die Welt in 10 Jahren auch anders (was ich nicht hoffe), aber man weiß ja nie. Außerdem kann ich meine konfrontierende Direktheit auch gut auf den Champagner und den Weißwein schieben.

Doch zurück zu dem Franzosen. Albert (sprich „Albäääähr“) fand ich deswegen sehr sympathisch, weil er nicht einen dieser Bürojobs hatte. Er war kreativ, das sah man auch. Er machte „in Mode“ – sagt man ja so schön. Wir verstanden uns super, wir hatten eine Kommunikationsebene. Und eine große Gemeinsamkeit: wir konnten weder zählen noch rechnen.



Aber: er war mir eh zu alt, wenn ich drüber nachdenke. Da ist das mit seiner Freundin auch nicht so schlimm. Also für mich. 
Und der Typ aus Berlin war auch ganz nett.

Sprachliche Verständnisprobleme kann ich auf jeden Fall richtig gut überwinden.

Montag, 14. April 2014

Bruchstücke (Skizze für meinen Roman)

Er weiß vieles über mich. 
Aber er weiß nicht, dass „You can’t always get what you want“ mein Lieblingssong ist, seitdem er ihn sich einmal im Club gewünscht hat. Er wusste, dass er mir das Herz brechen würde, aber zugleich auch, dass wir niemals eine ernsthafte Beziehung führen würden können. Er ist wie eine Droge oder zu viel Alkohol. Einen Moment lang gibt er mir das Gefühl, dass ich die Welt beherrschen könnte und dass er mir zu Füßen liegt. Doch schneller als dieser Rauschzustand gekommen ist, ist er wieder verschwunden – und hinterlässt ein komisches, unbefriedigendes Gefühl. Ich gab mir lange Zeit Mühe, mir die Illusion zu bewahren, er könnte mich halten – das ist einfach so passiert – aber ich weiß, er will mich davor bewahren, süchtig zu werden.
Doch mit ihm ist es genau so wie mit Passivrauchen, wenn man getrunken hat. Es ist nicht mehr der abstoßende Geruch der Kippen, wenn man nüchtern ist. Das Verlangen ist größer als die Vernunft.
Ich versuchte oft, ihn nicht anzusehen. Ich wollte seinen bohrenden Blick vergessen, den ich bereits verinnerlicht hatte. Wenn er da lag – auf dem Straßenboden – die Arme und Beine von sich gestreckt, habe ich mich blind daneben gelegt: weil er den Verstand vernebelte, gar ausschaltete. Ich konnte Berge besteigen, die nicht real waren, durch Wände gehen, obwohl die Türen offenstanden. Du lagst da und ich hielt meine Augen geschlossen, weil ich nur fühlen wollte. Das Gefühl festhalten, weil ich wusste, dass das Einzige, was bleiben würde, der Kater am nächsten Morgen wäre. Und der Herzschmerz. Dein Geruch ist nie in meinen Kissen angekommen. Das ist vielleicht noch trauriger als die Scherben, die aufzukehren sind. Denn sie liegen noch immer vor mir. Und ich stehe oben. Bereit wieder zu fallen, sollte das Fenster nicht verschlossen sein.
Von oben fällt es sich schneller.


Sonntag, 6. April 2014

Von den „richtigen“ Entscheidungen

Nach 2 Monaten ohne Sommerpünktchen bin ich wieder da.  Mit mehr Fragen als ich sie jemals zuvor hatte. In den letzten Wochen schrieb ich nicht nur meine Masterarbeit, sondern auch einen Haufen an Bewerbungen. Dabei stellte ich mir viele Fragen. Immer wieder. Und immer wieder die gleiche: was will ich eigentlich?
Ich wollte die Welt erobern – Anfang April, nachdem das Kapitel Uni für mich endgültig abgeschlossen ist. Doch jetzt frage ich mich: erobert man die Welt, wenn ich von meinem Schreibtisch und meinem Stammplatz in der Bibliothek an einen Arbeitsplatz wechsle, der begrenzt von 4 Wänden ist und im besten Fall ein Fenster aufzuweisen hat?
Ich bin 25 Jahre alt und habe eigentlich keinen Plan, was ich wirklich will. Vielleicht lehne ich mich weit, vielleicht auch zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass das den meisten Menschen in meinem Alter so geht.
Das Einzige, was ich habe, ist mein Traum zu schreiben und meine Unvernunft, mir jetzt – entgegen aller Vernunft und Ratschläge – keine Festanstellung zu suchen, so wie ich es zeitweise vorhatte, sondern zu schreiben, Inspiration zu suchen, mich inspirieren zu lassen und noch in diesem Jahr mein Buch fertigzustellen.

Denn: für das richtige Leben, für dieses Erwachsensein, bin ich nicht bereit.  Vielleicht, und der Gedanke kommt mir immer häufiger, werde ich das nie sein. Mit Verantwortung übernehmen und einem Job, in dem ich Pumps trage und mich immer als Pinguin verkleiden muss. Und verkleiden fand ich schon als Kind scheiße. Also zögere ich das Erwachsensein noch ein wenig hinaus. Ich habe keinen Plan, sondern einen Traum und das Gefühl, dass Träume so viel besser sind als Pläne.
Und manchmal muss man nicht auf den Verstand hören und gegen sein Herz ankämpfen – weder im Leben noch in der Liebe. Herzensentscheidungen sind die Entscheidungen, die glücklich machen, die erfüllen.


Wenn man an diesem Punkt, an dem ich jetzt bin, ist, dann steht man sehr oft vor der Frage, was man eigentlich will, was vernünftig wäre und wie man das miteinander verbinden kann – wenn das denn möglich ist. Und vor allem wird mir immer wieder die Frage gestellt, was ich denn jetzt machen würde. Jeden Tag aufs Neue. Ich will nicht 24 Stunden am Tag vernünftig sein müssen. Ich will auf mein Herz hören. Auch wenn das bedeutet, einen Job abzulehnen und alle Vernunft über Bord zu werfen.

Und so liege ich jetzt, am Sonntagabend, hier in meinem Bett – mit Hugo, einer Schale Erdbeeren und nackten Füßen. Und komme immer mehr, auch in meinem Kopf zu dem Entschluss, den mein Herz bereits vor Monaten getroffen hat: Ich will dieses Leben als Pinguin nicht – noch nicht, vielleicht irgendwann, vielleicht auch nie. Ich kann für nichts garantieren. Aber jetzt: Jetzt will ich atmen. Ich will Sonne spüren, ich will Meer sehen, Sand spüren, ich will feiern. Ich will leben. Einen Sommer lang das tun, was alle in meinem Umfeld unvernünftig nennen. Das Leben riskieren.


Ich will ausbrechen. Weil ich es mir selbst versprochen habe. Dass dieses 2014 mein Jahr wird. Dass dieser Sommer der Sommer meines Lebens wird. Mit nackten Füßen – ohne Bett, dafür im Sand an der Mittelmeerküste.



Donnerstag, 30. Januar 2014

Monatsrückblick Januar

„Einen Liebesbrief hatte ich bis heute noch nie geschrieben.“

„Mein Physiotherapeuten-Verschleiß ist auch goldmedaillenverdächtig.“

„Eine gemeinsame Basis ist das Beste. Auch Tequila ist eine Basis.“

„Es heißt, dass man manches erst verlieren muss,
um die wahre Bedeutung zu erfahren.“

(Der Januar  in einigen, wenigen Worten)
                                                                                                                                   

Die Songs des Monats
„Kids“ – Marteria
„Jubel“ – Klingande
„On Top of the World“ – Imagine Dragons
„Moment of Truth“ – FM Static

Daumen hoch
Für Wunsch- und Traumerfüllungen

Daumen runter
Schnee & Mücken – im Ernst jetzt?!

Die besten Zitate des Monats
„Ich mag dich lieber als Mathe.“

„Kind, warum hast du auch nix vernünftiges studiert?“

Die besten Dialoge des Monats
„Es gibt Dinge, die können Sie nicht wieder herstellen,
wenn sie einmal zerstört sind. Damit müssen wir alle leben.
Da will ich Ihnen nichts vormachen.“
(Keine kitschige Szene eines Films, sondern mein Orthopäde)

Entschieden I
Das Richtige zu tun

Ausblick
„Vielleicht sehnen wir uns unterbewusst nach Sicherheit,
rebellieren dennoch gegen die vorherrschende Sicherheit
und haben aber dennoch nicht den Mut, ganz loszulassen.“

Die Bilder des Monats

Mein Überlebenstrick I im Januar: Smoothies

Mein Überlebenstrick II im Januar: gutes Essen

Mädchenzeit

Aussichten

Januar-Gesichter

Montag, 27. Januar 2014

Junimond. Oder: warum jeder Tag ein neuer Anfang ist.

Warten. Ich hasse es. Auf irgendetwas oder irgendwen. Ich will selber entscheiden. Alles, und am liebsten sofort.
Es ist vorbei, bye-bye Junimond. Die Erkenntnis, dass ein neues Jahr angefangen hat, und sich damit tausend neue Möglichkeiten eröffnen, kommt jetzt langsam auch bei mir an. Das liegt wohl daran, dass sich mit jedem Tag neue Möglichkeiten offenbaren. Und dass ich jedem Tag diese Chance geben will. Jeder Tag ist dazu geschaffen, sich von alten Träumen zu verabschieden, aus denen man aufgewacht ist.
Auch, wenn es verdammt kalt draußen ist, die Straßen glatt und vereist sind, muss man nicht auf eine neue Zahl warten, um endlich zum Sport zu gehen, weniger fernzusehen oder sich einen neuen Job zu suchen. Es geht nicht um die Veränderung einer Zahl um sich selbst zu verändern, es geht um sich, um sich selbst zu verändern. Wir sollten den Mut fassen, Chancen zu nehmen, wenn sie vor uns stehen und nicht auf den scheinbar passenden Moment zu warten, weil das Datum ein schöneres ist. Warum nicht heute, an diesem 27. Januar, Dinge sagen, die man schon lange gesagt haben wollte? Warum nicht jetzt den Mut fassen, einen Fehler zuzugeben?
Ich möchte nicht darauf warten, bis mir jemand sagt „Ich wusste, du würdest es nicht hinkriegen.“ Ich will die Dinge jetzt anpacken, jetzt verändern um dann allen zu sagen „Ich habe es geschafft.“
Ich verabschiede mich von stumpfen Prinzipien, die mich dazu zwingen wollen, mich an irgendwelche Normen zu halten. Es kann zeitweise sehr anstrengend sein mit mir. Weil ich nerven kann wie ein dreijähriges Kind, das unbedingt eine bestimmte Süßigkeiten im Supermarkt haben will. Ich werde immer mutiger und stürze mich Hals über Kopf in die Geschichten, die ich schreiben will. Ich habe den Mut gefunden, mein Leben jeden Tag aufs Neue zu verändern und jeden Tag aufs Neue zu leben. Weil mit jedem Tag etwas zu Ende geht und jeder Tag ein neuer Anfang ist.