Sonntag, 28. September 2014

"Wir sind heute hier, um nach vorne zu gehen."

Wir treffen uns im Bahnhof. Und dann sehen wir uns an und bleiben stehen, und fragen uns, ob wir zu viel getrunken haben, zu viel gekokst oder ob wir uns wirklich kennen.
"Eigentlich wollte ich das nie sagen, aber der Spruch is geil: ey, kennen wir uns nicht von früher?", höre ich mich sagen.
Und dann sehen wir uns an und müssen lachen, so laut und so tief, so herzlich und so ehrlich, dass wir fast auf dem Boden des Bahnhofs liegen, wo schon tausende Menschen gekotzt und gepisst haben.
"Und Baby, ich dachte gerade nur 'was ne heiße Braut!’", höre ich, halte einen Moment die Luft an und muss dann wieder lachen. "Aber du musst mir deinen Namen noch einmal sagen, ich kann dich ja nicht immer Baby nennen, Baby."


Und dann unterhalten wir uns über die gute alte Zeit und das, was davon noch übrig ist und stellen fest, dass dieses neue Leben, diese Gegenwart, so viel geiler ist, als die Zeit, in der wir koksten, zu viel tranken und den Boden dieses Bahnhofs vollkotzten.
Denn jetzt, in diesem neuen Leben, haben wir die Freiheit das zu sagen, was wir wollen und das zu tun, was wir wollen. Wir nehmen uns die Freiheit. Unsere Ansichten haben sich geändert und so auch unsere Wertevorstellungen. Nicht die anderer, sondern unsere eigenen. Wir sind uns jetzt mehr wert.
Irgendwann gehen wir auseinander, weil wir unser Leben wieder brauchen.
Wir sind heute hier, um nach vorne zu gehen. Wir gehen auseinander und blicken uns dann noch einmal hinterher.
Dieses früher, diese gute alte Zeit, von der wir nie dachten, sie könnte jemals übertroffen werden, kommt nicht an das heran, was wir grade haben.

Jetzt sind wir erfüllt von Träumen und Wünschen, vielleicht auch von Illusionen. Aber diese Zukunft, die vor uns liegt, ist golden.

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